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Zwei Power-Frauen im Verband

29.03.2018: Mit Derya Cilingir (siehe Interview vom 27.03.2018) und Dorothea Oldak hat der Südbadische Ringerverband zwei Power-Frauen in seinen Reihen, so Präsident Martin Knosp stolz und bei beiden Frauen ist er nicht unschuldig daran, dass sie heute im Verband mitarbeiten. Seit wenigen Tagen ist das Buch „Lahr erzählt“ im Handel erhältlich, in dem 44 bekannte Bürgerinnen und Bürger aus Lahr Geschichten aus ihrem Leben erzählen. Auch unsere Referentin für Öffentlichkeitsarbeit Dorothea Oldak wurde gebeten, von sich zu erzählen.

 

Sabine Maier von der Geschichtswerkstatt im Interview mit Dorothea Oldak:

Ihre Geschichte handelt davon, dass das Ringen Sie in die richtige Richtung gelenkt hat und das, obwohl Sie selbst keinen Sport betreiben, was hat es damit auf sich?

Ja das stimmt, so richtig sportlich bewegt habe ich mich eigentlich nie gerne. Trotzdem hat das Ringen mein Leben gewaltig in Bewegung gebracht und im Nachhinein betrachtet vor allem in die richtige Richtung gelenkt. Als junger Mensch war ich schrecklich. Ich bin von zu Hause weggelaufen, habe viel Alkohol getrunken, flog von der Schule, mein Leben bot mir keine Perspektive, überlegte oft, ob Sterben nicht ein Ausweg wäre. Mit einem Sportverein konnte ich damals überhaupt nichts anfangen, und mit den Menschen in solchen Vereinigungen schon gar nichts. Sie waren mir einfach suspekt.

Wie kamen Sie mit dem Ringen in Berührung?

Ich habe Toni, meinen späteren Ehemann, an meinem 18. Geburtstag kennengelernt. Er kam aus Polen und war Ringer. Auch wenn ich in Urloffen, einer Ringer-Hochburg, wohnte, hatte ich mit Ringen bis dahin nichts am Hut. Toni hatte sich dem ASV Urloffen angeschlossen und über Freunde lernten wir uns kennen, kurze Zeit später war ich schwanger. Mit einem Ringer an meiner Seite habe ich die ersten Wettkämpfe erlebt und bin bis heute ein großer Ringernarr. Mich kann man tagelang in eine Ringer-Halle setzen und ich bin immer wieder fasziniert, wenn Ringerinnen und Ringer auf die Matte gehen und tolle Kämpfe zeigen.... Toni und ich haben einige Jahre gebraucht, um unser Leben gemeinsam mit unserem Sohn in den Griff zu bekommen. Wir sind 1985 nach Freiburg gezogen, Toni hat in der ersten Bundesliga sehr erfolgreich gerungen. Ich habe durch den Ringerverein in Freiburg St. Georgen viele tolle Menschen kennengelernt, die für mich zu Vorbildern wurden. Zwei Jahre später wechselte Toni zum Bundesligisten Lahr-Kuhbach, deshalb sind wir 1987 nach Reichenbach gezogen. Meine bisherige 0-Bock-Lebenseinstellung wandelte sich in diesen Jahren extrem, dies auch dank der großartigen Ringervereine.

2018 DorotheaWie ging es dann weiter?

Drei Jahren arbeitete ich in einer Fabrik, dann ermutigten mich Freunde, dass ich doch mehr aus meinem Leben machen sollte. Und so begann ich mit 22 Jahren eine Ausbildung zur Industriekauffrau, die ich erfolgreich beendete. Ich war Schriftführerin bei den Ringern, übernahm später die Geschäftsstelle der Ringergemeinschaft Lahr und wurde 2010 zur ersten Vorsitzenden gewählt. 2011 drückte ich nochmals die Schulbank - wenn mir das jemand in jungen Jahren gesagt hätte, ich hätte ihn wohl ausgelacht. Auf Grund vieler sozialer Projekte rückte ich 2014 im Verein wieder in die 2. Reihe und bin heute die Pressereferentin bei der RG Lahr.

Mein Engagement blieb auch dem südbadischen Ringerverband nicht verborgen. Deren Präsident kannte mich noch als Mädchen aus Urloffen. Martin Knosp überredete mich, als Referentin für Öffentlichkeitsarbeit im Verband mitzuarbeiten. Gerne berichte ich nun über die vielen tollen Ringervereine und ihr Engagement in Südbaden. Durch diese Aufgabe wächst mein Netzwerk an vielen wunderbaren Menschen inzwischen auch über die Ländergrenzen hinaus.

Warum ist Ihnen das Ringen so wichtig?

Naja, zum einen, weil es einfach die schönste Sportart auf der ganzen Welt ist, aber auch, weil Ringen in meinen Augen die perfekte Sportart ist, Kindern das Raufen nach Regeln beizubringen. Ich glaube fest daran, dass Kinder, die ringen, weitaus weniger gefährdet sind, Alkohol- und Drogenprobleme zu bekommen. Lob, Freude, Anerkennung, damit schenkt man den Kindern und Jugendlichen viel Selbstwertgefühl und Stärke. Und Ringen ist definitiv eine der besten Sportarten überhaupt. Toleranz, Respekt, Disziplin, Regeln, Selbstbeherrschung sind Begriffe, die im Ringen eine große Rolle spielen und die mir in jungen Jahren gefehlt haben. Heute weiß ich, dass diese Eigenschaften im gesamten Leben, im Beruf, im Alltag einfach überall notwendig sind

Ihr Leben begann anders, als das von vielen anderen Menschen, wie geht es Ihnen heute?

Heute bin ich der glücklichste Mensch, wenn ich mich engagiere und einbringe, wenn ich helfen kann. Ich unterstütze ja nicht nur für die Ringer. Ich singe in einem Gospelchor, unsere Erlöse kommen immer sozialen Projekten zugute. Ich setze mich außerdem für leukämiekranke Kinder ein, indem ich Typisierungsaktionen organisiere und Spenden sammle. Dank vieler großartiger Unterstützer kamen so in den vergangenen 10 Jahren über 250.000 Euro zusammen und ich sammle Spenden für Nepal, seit ich 2015 nach dem verheerenden Erdbeben selbst dort war. Wenn ich an meine Jugend zurückdenke, dann wird mir bewusst, dass mit Sicherheit auch viel Glück zum Leben gehört. Ich bin dankbar für so viele wunderbare Menschen, die ich durch das Ringen kennengelernt habe und die mir den Weg ins Leben erleichtert haben. Das ist auch der Grund, warum ich meine Geschichte erzählt habe, denn ich hoffe, dass sie ein bisschen Mut macht. Jeder kann seinen Platz auf dieser wunderschönen Welt finden, er muss sich nur selbst auf den Weg machen.

[Infos zur Erzählerin]
Dorothea Oldak wohnt in Seelbach und arbeitet als Teamleiterin bei der Firma JULABO GmbH. Sie ist Pressereferentin der Ringer in Lahr und Referentin für Öffentlichkeitsarbeit beim Südbadischen Ringerverband. Für ihr Engagement im Ringen und ihre Spendenaktionen für krebskranke Kinder wurde sie in den vergangenen Jahren nicht nur vom Lahrer Oberbürgermeister mit der Bürgermedaille ausgezeichnet, sondern erhielt auch von Hubert Burda den Senator Ehrenamtspreis sowie eine Ehrung beim Sommerfest des ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck in Berlin.

Die ganze Geschichte sowie 43 weitere spannende, ehrliche, traurige und lustige Geschichten von Lahrer Bürgerinnen und Bürgern unter: Hugendubel

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