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Ringer verweigern Kampfrichterin in Goldbach den Handschlag

23.12.2018: Was war passiert…: Am letzten Kampftag der Saison 2018 stand Ramona Scherer vom Hessischen Ringer-Verband beim Kampf RWG Hanau-Erlensee gegen den AC Bavaria Goldbach als Kampfrichterin auf der Matte.

Ramona Scherer im Interview: „Schon beim Wiegen hat es sich abgezeichnet. Als ich die Fingernägel kontrollieren wollte, sind drei Ringer zurückgezuckt.“ Einer der Ringer erklärte ihr die religiösen Beweggründe. Die drei Ringer sind hessische Meister, alle drei sind Muslime. Am Freitag waren sie zum ersten Mal mit einer weiblichen Kampfleiterin konfrontiert.

Weil sie dann Ramona Scherer den Handschlag zu Beginn des Kampfes verweigerten, bekamen sie erst die gelbe, dann die gelb-rote Karte gezeigt. Damit waren sie disqualifiziert. Sie hatten für den letzten Kampftag noch mal ihr Gewicht reduziert, sich aufgewärmt und standen dann keine fünf Sekunden auf der Matte. Kampfrichterinnen gibt es im Ringen noch nicht so sehr lange und in Tschetschenien und Bulgarien, wo die betroffenen Ringer herkommen, wohl noch seltener als hierzulande. Die Drei wussten nicht, wie sie damit umgehen sollten. Sie haben sich falsch entschieden, sie wurden disqualifiziert und müssen mit einer Verbandsstrafe rechnen.

Unser Statement

Eigentlich könnte jeder Verband außerhalb Hessens heute sagen „Was geht’s uns an – ein einmaliger Vorfall“. Doch auch unser Verband hat Kampfrichterinnen – auch bei uns stehen Frauen auf der Matte, die zu jeder Zeit eine ähnliche Situation erleben könnten.

Gleichzeitig brechen wir jedoch auch eine Lanze für die vielen Muslime in unseren Vereinen, die bisher die Situationen stets souverän gemeistert haben und für die es inzwischen eine Selbstverständlichkeit ist, dass Kämpfe von Frauen geleitet werden. Sie begrüßen die Ringer per Handschlag, sie schauen sich die Fingernägel an, müssen prüfen ob sie eingeölt sind, prüfen Knieschoner und müssen den Arm hochhalten bei der Siegerverkündung. Auch international stehen von Jahr zu Jahr mehr Frauen als Referees auf der Matte und wir haben großen Respekt vor allen Frauen, die sich in der doch noch überwiegend von Männern dominierenden Sportart auf der Matte behaupten.

Der Vorfall in Goldbach ist mehr als bedauerlich und insbesondere für Ramona Scherer mit internationaler Erfahrung sicherlich eine sehr unschöne Situation.

Die Integration unzähliger Nationalitäten ist in allen Vereinen eine wichtige Aufgabe. Sport spricht seine eigene Sprache, kennt keine Religion und keine Nationalitäten. Maßgebend sind die Regeln und diese haben alle zu respektieren.

Vielleicht muss man kein großes Thema aus einer einmaligen Situation machen - und doch möchten wir agieren und nicht eines Tages reagieren müssen und bitten alle Vereine um Unterstützung. Klärt Eure Ringer falls notwendig auf, verhindert solche Situationen … für den fairen Ringkampfsport und vor allem für unsere Kampfrichterinnen. Vielen Dank.

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