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Annika Wendle und die Corona-Krise

26.05.2020: Normalerweise haben Leistungssportler klare Ziele vor Augen. Aber was ist in dieser Corona-Zeit schon normal? So geht es seit Wochen für viele darum, neue Pfade zu entdecken, Alternativen zu finden. „Man muss kreativ sein“, sagt Annika Wendle. 

Dass der Lockdown gerade mal vier Wochen nach ihrem Gewinn der Bronzemedaille bei der Frauen-EM erfolgte und damit die aus Altenheim stammende Ringerin brutal ausbremste, mag die 22-Jährige noch nüchtern sehen: „Anderen ging es ja nicht anders.“ Schwerer wiegt der Umstand, dass für die Ringer ein Ende der Ausnahmesituation kaum absehbar ist. „Wir sind eine Kontaktsportart und werden wohl die Letzten sein, die wieder starten dürfen“, schätzt die U23-Europameisterin des vergangenen Jahres. 

Getränkekisten fürs Krafttraining

Spätestens, als die bundesweite Ausgangssperre gekommen ist, sei ihr klar gewesen: „Das wird länger dauern.“ In der zunächst einmonatigen Auszeit war neben Vorgaben von Bundestrainer Patrick Loës ihre schon angesprochene Kreativität zu Hause gefragt. Und da hat nicht nur Annika Wendle festgestellt, dass Getränkekisten ganz gut fürs Krafttraining taugen.

Training wieder möglich

Seit Mitte April dürfen Wendle und ihre Kollegen vom Bundeskader wieder in den Olympiastützpunkt in Freiburg. In Kleingruppen wird dort unter strengen hygienischen Vorschriften trainiert. Im Kraftraum, aber auch schon wieder auf der Matte: Schattenringen ohne Gegner oder ringer-spezifische Übungen in einem Zirkel sind möglich. Immer dabei das Trainer-Team um Patrick Loës und natürlich jede Menge Desinfektionsmittel. Mindestens einmal am Tag ist die Studentin, die auch in Freiburg lebt, im Olympiastützpunkt anzutreffen, manchmal zweimal. „Dennoch ist es natürlich weniger als normal“, so Wendle. 

Erntehelferin bei David Mild

So hat die angehende Grundschullehrerin derzeit mehr Zeit als geplant, ihre Bachelorarbeit zu schreiben. Und von Freitag bis Sonntag arbeitet sie bei ihrem Sportler-Kollegen und Extremläufer David Mild, der in Dundenheim einen Obst- und Beerenhof betreibt, als Erntehelferin auf dem Erdbeerfeld.

„Eine coole Geschichte. Und da noch andere Studenten dabei sind, haben wir eine Menge Spaß“, erklärt Wendle, die vergangenen Donnerstag noch eine andere Premiere hatte: Erstmals ist sie mit dem Fahrrad von Freiburg in die Heimat gefahren. 75 Kilometer hat sie gebraucht, unfreiwillig den ein oder anderen Umweg mitgenommen, aber sie war auch glücklich, wieder was Neues für sich entdeckt zu haben. So wie sie sich unlängst Jonglierbälle gekauft hat. „Wenn ich es kann, schaue ich mal, wie ich das, vielleicht in Verbindung mit einem Wackelbrett, ins Training einbauen kann“, zeigt sich Wendle auch da kreativ.

U23-EM fällt wohl aus

Im Grunde läuft alles bestens – wenn da nur nicht die Ungewissheit in Sachen Ringen wäre. Im Juli steht noch eine U23-EM auf dem Programm, es wäre ihr letzter Auftritt in dieser Altersklasse, in der österreichischen Ringer-Hochburg Wals sogar fast um die Ecke, doch Wendle befürchtet, dass es nichts wird mit der Titelverteidigung. „Die EM fällt wohl aus.“

Keine Ahnung, wie es weitergeht

Gestrichen sind natürlich auch die Olympia-Qualifikationsturniere, mit denen die Altenheimerin insgeheim spekuliert hatte, und wurden, so hieß es mal, genau wie Olympia um ein Jahr verschoben. „Aber eigentlich haben wir keine Ahnung, wie es weitergeht“, gibt Annika Wendle zu und hat für sich selbst deshalb entschieden, „mal nicht so langfristig vorauszuschauen“. Das ist in dieser Zeit vielleicht nicht die schlechteste Einstellung.

2020 Wendle Corona

Vielen Dank an Michaela Quarti / Mittelbadische Presse für den schönen Bericht

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