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COVID-19 und die Folgen

26.06.2020: Vor zwei Tagen haben sich die Regionalligavereine bei einer Telefonkonferenz mit dem ARGE-Präsidium mit einem knappen Abstimmungsergebnis von 6:4 gegen die Durchführung der Regionalligasaison 2020/21 ausgesprochen. Die ARGE Baden-Württemberg hatte vorab ein Konzept für eine mögliche Durchführung der Regionalligasaison 2020/21 erarbeitet und den beteiligten Vereinen vorgestellt.

Dieses Konzept enthielt u.a. reduzierte Auflagen bezüglich Mannschaftsstärke und Optionen zur eventuell terminlichen Gestaltung. Die ARGE - Baden-Württemberg folgte dem mehrheitlichen Wunsch der Vereine und sagt die Saison 2020/21 für die Regionalliga ab.

Verbandsrunde

In den einzelnen Landesverbänden, Württemberg, Südbaden und Nordbaden, wird nun separat diskutiert, ob und wie dieses Jahr innerhalb ihres Verbandes eine Mannschaftsverbandsrunde durchgeführt werden kann. Die Verbände werden diesbezüglich Kontakt mit ihren Vereinen aufnehmen. 

Es wird sicherlich keine einfache Entscheidung. Zahlreiche Sportler möchten endlich wieder ringen, die Angst vor dem Absprung von Sponsoren und Ringern ist in den Vereinen groß, wenn man ein Jahr nicht auf die Matte kann. Und auch die Kaderathleten fiebern natürlich auf gemeinsame Trainingsmöglichkeiten hin.

Geänderte Verordnung

Hinzu kommt, dass nur einen Tag nach der Entscheidung der Regionalligisten die Corona-Verordnung geändert wurde. Ab Juli darf von der Abstandsregel abgewichen werden, sofern das für die Sportart üblichen Sport-, Spiel- und Übungssituationen erforderlich ist. Die Trainingsgruppen sollen möglichst nicht durchgemischt werden und maximal 20 Personen umfassen. Außerhalb des Sportbetriebs gelten weiterhin die Abstandsgebote. Körperkontakt, insbesondere Umarmungen und Händeschütteln, sollen vermieden werden.

Auch Wettkämpfe dürfen in Sportarten mit Körperkontakt wieder ausgetragen werden - mit maximal 100 Sportlerinnen und Sportlern pro Wettbewerb. Ab dem 1. August (und bis einschließlich 31. Oktober) werden dann insgesamt maximal 500 Sportlerinnen und Sportler sowie Zuschauerinnen und Zuschauer zu einem Wettbewerb zugelassen.

Unsichtbarer Gegner CORONA

Doch dem Wunsch, wieder auf die Matte zu dürfen oder Ringen sehen zu wollen, steht natürlich die Fürsorgepflicht für Ringer, Kampfrichter, Funktionäre, Helfer und Zuschauer gegenüber, sie hat oberste Priorität. Tatsache ist, dass uns das Virus im Trainingsbetrieb und erst recht bei Wettkämpfen vor Herausforderungen stellt. Doch wer kann sagen, wie groß diese Herausforderungen schlussendlich sind, während einer Saison wöchentlich nicht nur einem sichtbaren Gegner – sondern vielleicht auch dem unsichtbaren Gegner CORONA gegenüber zu stehen? Kann er uns noch aufs Kreuz legen oder liegt er vielleicht selbst schon auf den Schultern? Niemand weiß es so richtig.

Auch, wenn die Meinungen über COVID-19 von großer Angst bis hin zur „absoluten in Fragestellung“ weit auseinander gehen, so wird es wohl auch schwer sein, die vielen www-Fragen – was wäre wenn – zu beantworten.

Welche Alternativen und Möglichkeiten es geben kann, gilt es nun innerhalb der Verbände zu prüfen. Der Wunsch, wieder ringen zu dürfen und der Wunsch nach Normalität ist sicherlich genauso berechtigt, wie die Angst vor dem Virus, wie der Bericht des ehemaligen Bundesliga-Ringers Daniel E. zeigt, der heute in der Badischen Zeitung veröffentlicht wurde.

Der ehemalige Bundesliga-Ringer Daniel E. ist an COVID-19 erkrankt

Covid-19 verläuft bei Menschen bekanntlich sehr unterschiedlich: Der eine muss künstlich beatmet werden, der andere fühlt sich wie bei einer starken Grippe, und andere bekommen kaum mit, dass sie infiziert worden sind.

Den Anteil der milden Verläufe einer Covid-19-Erkrankung schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf rund 80 Prozent aller Fälle. Bei den Infizierten, die etwas von dem Virus merken, zählen Husten und Fieber zu den häufigsten Symptomen. Rund 20 Prozent der Corona-Infektionen verlaufen laut WHO so schwer, dass die Patienten im Krankenhaus behandelt werden müssen. Manche brauchen wegen Atemnot zwar Sauerstoff, können aber auf einer Normalstation behandelt werden.

Ist die Lungenfunktion so stark eingeschränkt, dass eine solche Versorgung nicht mehr ausreicht, werden sie auf die Intensivstation verlegt, in ein künstliches Koma versetzt und über einen Schlauch in der Luftröhre beatmet. Unter den an Covid-19 schwer Erkrankten sind deutlich mehr Männer als Frauen, die Sterblichkeitsrate bei Männern ist zwei bis drei Mal so hoch.

Soweit die offiziellen Informationen, doch dass es so schlimm werden sollte, damit hatte Daniel E. nicht gerechnet.

Es gibt einige Wochen in seiner jüngsten Vergangenheit, an die sich der 48-Jährige so gut wie gar nicht erinnern kann. Wochen, in denen er in ein künstliches Koma versetzt worden war. E. hatte Covid-19 in seiner schlimmsten Ausprägung, er konnte wegen akuten Lungenversagens nur dank einer ECMO-Behandlung überleben (extrakorporale Membranoxygenierung - intensivmedizinische Technik, bei denen eine Maschine teilweise oder vollständig die Atemfunktion von Patienten übernimmt). Dabei wird über eine Kanüle, die in einer großen Vene liegt, Blut aus dem Körper in eine Art künstliche Lunge geleitet, in dieser Lungenersatzmaschine mit Sauerstoff angereichert und in den Körper zurückgeführt. "Das ist eine heftige Therapie", sagt E. "Sie hilft dann, wenn die Lunge kollabiert."

Zunächst ging E., als ehemaliger Bundesliga-Ringer und rege Sport Treibender mit einem tiefen Vertrauen in die eigene Physis ausgestattet, nicht davon aus, an COVID-19 erkrankt zu sein. Er glaubte an eine normale Grippe. Einen Termin zum Testen bekam er nicht, das Gesundheitsamt sagte ihm, er solle 14 Tage zu Hause bleiben. E. behalf sich mit gängigen schmerz- und fiebersenkenden Mitteln, doch es wurde nicht besser – in der Spitze hatte er 41 Grad Fieber. Als seine Frau am 16. März nachts um vier den Ärztlichen Notdienst anrief, bekam sie zu hören, dass es sich noch nicht so schlimm anhöre, sie solle sich am nächsten Tag beim Hausarzt melden.

Ich konnte nicht mehr atmen, erinnert sich E. an seinen Zustand in dieser Phase der Krankheit. Seine Frau sei immer in Kontakt mit dem Hausarzt gestanden – und mit zwei befreundeten Nachbarn, die beide auch Ärzte sind und in den folgenden schweren Wochen eine große Hilfe werden sollten. E. wollte nicht ins Krankenhaus, so bekam er eine Sauerstoffflasche und ein Inhalationsgerät nach Hause. Am 19. März konnte er die Einweisung nicht mehr vermeiden, zu schlecht ging es ihm. Er kam ins Klinikum in Kehl. Am späten Abend verschlechterte sich sein Zustand so sehr, dass er intubiert werden musste. Von da an setzen seine Erinnerungen aus, denn ein Schlauch zur Beatmung über den Mund einzuführen, geht nur mit Sedierung (Dämmerschlaf, in dem das Nervensystem nicht mehr richtig funktioniert)

Sein Zustand blieb kritisch. Da die Kehler Klinik keine ECMO-Behandlung vornehmen kann, riefen die Ärzte in der Freiburger Uniklinik an. Zur Verlegung kam es schon am nächsten Tag. Am 28. März konnten die Ärzte die ECMO-Behandlung beenden. „Dass ich in den Wachzustand zurückgeholt wurde, habe ich gar nicht wahrgenommen“ sagte E. Auch in der Folge muss der Familienvater noch mit Sauerstoff versorgt werden, am 30. März wurde der Beatmungsschlauch aus seinem Mund entfernt. Danach ging das Reden erst einmal gar nicht, noch heute hat er Schmerzen beim Schlucken.

Klar, dass er in dieser Zeit körperlich extrem abgebaut hat, auf Fotos aus der Klinik ist er kaum zu erkennen. Zeitweise war er auf Rollstuhl und Rollator angewiesen. Aber inzwischen ist er wieder ganz gut bei Kräften, auch dank beharrlichen Trainings und ambulanter Reha. Ich habe körperlich immer viel gemacht, das ist mir jetzt sicherlich zu Gute gekommen, sagt E. die Lunge hat sich extrem verbessert, aber vieles geht immer noch sehr viel langsamer als früher. Am Wochenende will ich mich zum ersten Mal für eine kleine Runde aufs Rad trauen. Wann E. wieder ein normales Leben führen und in den Beruf zurückkehren kann, weiß er noch nicht. Das sagt einem auch kein Arzt. Er soll sich in jedem Fall Zeit lassen, sagen ihm alle. Und seine Frau sagt: „Dass er überlebt hat und es ihm wieder so gut geht, ist außergewöhnlich, und wir sind einfach nur dankbar.“


Und nun?

Und nunist guter Rat teuer. Wenn uns im Februar in Rom bei der Europameisterschaft jemand erzählt hätte, dass nur wenige Tage später, ein Virus die gesamte Welt lahmlegt, wir hätten es nicht geglaubt und ihn sicherlich auch ausgelacht.

Nun steht uns dieser unsichtbare Gegner gegenüber und wir müssen lernen, richtig mit ihm umzugehen. Wir müssen die Herausforderung annehmen und ihm zeigen, wer der Stärkere ist, und dass wir den unbändigen Willen zum Siegen haben. Ob es dafür in diesem Jahr Wettkämpfe braucht oder nicht, das muss in den Verbänden entschieden wären, doch ganz egal, welche Entscheidungen getroffen werden, das Wichtigste ist, dass wir alle gesund bleiben und wir es schaffen, das Virus auf beide Schultern zu zwingen.

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