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04.05.21 (DO): Martin Knosp erlangte als Ringer Weltruhm. Nach 49 Jahren – zuletzt 16 Jahre Präsident des Südbadischen Ringer-Verbandes – verlässt der Urloffener die Matten und alles, was damit zu tun hat. 

Mit Arno Ehret, Christina Obergföll, Arnulf Meffle und neurdings Johannes Vetter gehört er zu den fünf großen Idolen des Ortenauer Sports. Martin Knosp war Anfang der 1980er-Jahre der weltbeste Ringer im Weltergewicht (bis 74 Kilo) und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1981. Anschließend diente der Urloffener seiner Sportart 34 Jahre lang als Funktionär – zunächst als Vizepräsident, seit 2005 als Präsident des Südbadischen Ringer-Verbandes.

Verbandstag am Freitag

Am Freitag beim Verbandstag in Hofstetten macht der 61-Jährige Schluss. Gerungen hat er nicht mit dieser Entscheidung, die er bereits vor zwei Jahren angekündigt hatte. „Als Rentner will ich mehr Freiräume für Radfahren, Reisen und meine kleine Landwirtschaft. Und ich will mein Leben nicht mehr nach dem Sport planen“, sagt der Mann, der dem Sport alles verdankt. 

Seine Entscheidung hat auch nichts damit zu tun, dass es beim letzten Verbandstag zu einer überraschenden Kampfkandidatur von Markus Eichin kam, den er damals mit 119:88 Stimmen in Schach hielt. Der 2. Vorsitzende des SV Gresgen war mit Argumenten wie „zu hohe Ordnungsstrafen“ und „Paragraphen-Dschungel“ angetreten, hatte aber keine Mannschaft hinter sich.

Ralf Schick designierter Nachfolger

Als designierter Nachfolger von Knosp steht jetzt Ralf Schick aus Ettenheim bereit. „Die Personalfindung im Ehrenamt ist schwierig geworden“, weiß der scheidende Präsident, „deshalb war es mir wichtig, dass der Verband gut weitergeführt wird.“

Als Meilensteine seiner Schaffenszeit betrachtet Knosp die Einführung der Regionalliga unter Einbeziehung aller drei Verbände im Land, die entsprechende ARGE sowie den Olympiastützpunkt Freiburg.
Nach einem Jahr Pandemie klafft auch im Ringen ein Vakuum. „Die Folgen sind schwer abzuschätzen“, sagt Knosp, „Meisterschaften sind wieder terminiert, aber in den Vereinen werden ältere Ringer nach der langen Trainingspause auf der Strecke bleiben.“

Nur Olympia-Gold fehlt

Martin Knosp hat in seiner schillernden Karriere alles gewonnen – nur eines nicht: olympisches Gold. Aber es ist das verlorene Finale 1984 in Los Angeles, das den meisten Menschen im Gedächtnis blieb. Bei „Youtube“ findet man den legendären Kampf gegen den beinharten Amerikaner Dave Schultz in voller Länge.

Knosp sammelte in jungen Jahren Medaillen wie andere Panini-Bilder. Seinen ersten deutschen Meistertitel errang er am 1. Juli 1972 in Saarbrücken im zarten Alter von zwölf Jahren. Zur Geradlinigkeit seiner Karriere passt vor allem das: Er hatte nur einen Heimtrainer – von Anfang bis zum Ende: den im vergangenen Jahr im Alter von 90 Jahren verstorbenen Siegfried Stöckel. „Wir hatten ein Vater-Sohn-Verhältnis“, sagt Knosp, „er war sehr streng, ist mit mir aber durch dick und dünn gegangen.“
Knosp hatte den Erfolg im Auge wie ein Greifvogel seine Beute. Stets voll fokussiert. Aber er kreiste nicht nur um sich selbst, sondern spürte schon sehr früh die Verpflichtung, seine Fanschar in Urloffen nicht zu enttäuschen.

Drei Titel in einem Jahr

1977 trugen der deutsche Jugendmeister, Juniorenmeister und Seniorenmeister den gleichen Namen: Martin Knosp. Danach drehte der Schnauzbart aus Urloffen auch international auf und wurde 1979 in San Diego Vize-Weltmeister.

Dann kam 1980 – das prägendste Jahr im Leben von Martin Knosp. Am 11. Januar heiratete er Anna-Maria Schneider, ein echtes Urloffener „Maidle“. Am 17. April kam Stefanie zur Welt – Knosp war mit 20 Jahren Familienvater. Das passte gut zu seiner Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Drei Tage nach der Geburt seiner Tochter begann die EM in der Tschechoslowakei. Und Knosp war mit seinem dynamischen Kampfstil nicht zu stoppen. Er kehrte als Europameister zurück. „Der schnauzbärtige Immer-Sieger mit den lachenden dunklen Augen“, beschrieb die „Frankfurter Allgemeine“ den neuen Helden. Der renommierte Journalist Karl Adolf Scherer adelte Knosp mit dem Titel: „Der Sprinter auf der Matte.“

Aber 1980 verlangte ihm auch eine Menge ab. Stefanie hatte einen angeborenen Herzklappenfehler und musste einer lebensgefährlichen Operation unterzogen werden. Und die westliche Welt boykottierte die Olympischen Spiele in Moskau wegen des Einmarschs der UdSSR in Afghanistan. Damit wurde die Hoffnung des Urloffeners auf olympisches Gold vernichtet.

Kirchenglocken läuten nach WM-Gold

Wie berechtigt diese Hoffnung war, untermauerte Knosp ein Jahr später. In Mazedonien biss er sich bei der WM trotz einer Knieverletzung ins Finale durch und schlug dort den Bulgaren Walentin Rajtschwew. Danach stand Urloffen kopf. Der 15. September wurde zum Martinstag. Trotz strömenden Regens saßen Knosp und seine Frau in einer Pferdekutsche. Die Kirchenglocken läuteten eine Viertelstunde, in der Halle warteten über 1000 Leute.

Drei Jahre später hatte Knosp in L.A. sein Rendezvous mit Olympia. Er gewann alle fünf Pool-Kämpfe durch Schultersiege. Aber im Finale stand ihm der Brutalo Schultz im Weg. Nach einem Kopfstoß platzte Knosp die Augenbraue. Am Ende gewann der Amerikaner mit 4:1 Punkten.

200 Bundesliga-Kämpfe

Knosp ließ seine internationale Karriere mit EM-Bronze 1985 ausklingen und zog sich beim ASV Urloffen nach 200 Bundesliga-Kämpfen mit unglaublichen 199 Siegen zurück. Der Einzige, der ihn schlug, hieß Noel Loben vom KSV Wiesental. Er wog zehn Kilo mehr.

Schultz wurde am 26. Januar 1996 vom amerikanischen Millionen-Erben John du Pont, einem Psychopathen, erschossen. Die Geschichte kam 2015 unter dem Titel „Foxcatcher“ in die Kinos. Martin Knosp fand den Film langatmig. Ganz anders als seine atemberaubende Karriere.

Vielen Dank an Thomas Kastler / baden online für den tollen Bericht und Ulrich Marx (Foto)

2021 Knosp Martin

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